Institution
Quo Vadis Jugendhilfe betreut Jugendliche in unter-
schiedlichen
Wohn- und Betreuungsformen in Deutsch-
land auf der
rechtlichen Grundlage nach § 27 ff SGB VIII.
Neben den Betreuungen in Deutschland haben sich in
der Vergangenheit Reiseprojekte und Kurzzeitaufent-
halte
in Schweden und Polen als Krisenintervention und Projektstart
bewährt.
Um Jugendlichen, die mit anderen Hilfen bisher nicht
erreicht werden konnten eine Chance zu geben, bietet
Quo Vadis eine zusätzliche, individuelle Betreuungs-
form
in Kirgistan an.
Zielgruppe
Konzipiert wurde diese Betreuungsform für männliche
und weibliche Jugendliche, die aufgrund ihrer Lebens-
geschichte mit den bestehenden Hilfesystemen viel-
fältige Erfahrungen gemacht haben und diese nicht
mehr annehmen wollen oder können.
Sie bietet ebenfalls eine Alternative zum Strafvollzug
und zur geschlossenen Unterbringung. Diese jungen Menschen
werden in einem neuen, unbekannten Um-
feld mit gänzlich anderen Lebensumständen
die wahr-
scheinlich letzte Chance bekommen, um einen Neu-
start in ihrem Leben zu beginnen und für sich
ange-
messene Verhaltenweisen zu erlernen, die als Grund-
vorrausetzungen für eine Integration in Deutschland
zwingend notwendig sind.
Indikationen für diese Betreuungsform können
sein:
- eine hohe Gewaltbereitschaft
- Psychiatrieaufenthalt
- drohende Haft
- Abstand von negativen Peergroups
- räumlicher
Abstand zu belastenden
- familiären Situationen
- häufige Beziehungsabbrüche
- bisherige Beziehungsunfähigkeit,
- Schulversagen
- u.v.m.
Ausschlusskriterien sind:
- akute Abhängigkeit und Konsum harter Drogen,
- geistige Behinderung
Das Projektland
Kirgistan, offiziell Kirgisische Republik, liegt in
Zentral-
asien mit einer gemeinsamen Grenze im Westen zu Usbekistan,
im Südwesten zu Tadschikistan, im Norden zu Kasachstan,
im Osten und Südosten zu China. Kirgistan hat
eine Fläche von 198.500 Quadratkilome-
tern. Bischkek, das frühere Frunse, ist Hauptstadt
und größte Stadt des Landes.
Bischkek liegt auf einer geographischen Breite mit
Bar-
celona, die Entfernung zu Deutschland beträgt
7000 km.
Das Land mit seinem einzigartigen Naturerlebnis beeindruckt
jeden Besucher. Etwa 75 % des Landes liegen mehr als
1500 Meter über dem Meeresspiegel, die Hälfte
sogar mehr als 2500 Meter hoch. Der höch-
ste Berg des Landes, der Pik Pobeda ragt 7439 Meter
in den Himmel. Das Klima ist kontinental, es kommt
je-
doch zu extremen Temperaturschwankungen zwischen 40
Grad plus im Sommer und 30 Grad minus im Winter.
In Kirgistan leben ca. 5 Millionen Menschen, die Bevöl-
kerungsdichte liegt bei 25 Menschen pro Quadratkilo-
meter.
34 % der Bevölkerung leben in den Städten.
Der Vielvölkerstaat setzt sich zusammen aus 56%
Kirgisen, 19% Russen, 13% Usbeken sowie Ukrainern,
Deutschen, Tartaren, Tadschiken und anderen kleinen
Volksgruppen.
Die vorherrschende Religion ist der Islam sunnitischer
Richtung neben russisch-orthodoxen Christen und dem
Buddhismus.Amtssprache in Kirgistan ist neben Kirgisisch
auch Russisch.
Der Lebenstandart ist sehr niedrig, große Teile
der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.
Asiatische Traditionen und russische Gastfreundschaft
vermitteln ein einfaches Wertesystem, in dem sich unsere
Zielgruppe schnell integriert. Eine authentische Mischung
aus Wohlwollen, Strenge, Kontrolle und An-
teilnahme bieten eine Orientierung für die Jugendli-
chen.
Mit Hilfe von viel Herz und Verstand und so we-
nig „Pädagogik“ wie
möglich finden die Jugendlichen für sich
neue Handlungsstrategien und eine Grundstabili-
tät.
Der Projektstandort
Die Betreuungsstellen mit unterschiedlichen Ausgesta-
ltungsmöglichkeiten
befinden sich im Umkreis von ca. 150 km um die Hauptstadt
Bischkek in Dörfern.
Unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse
der einzelnen Jugendlichen kann auch eine Berghütte
oder ein abge-
legenes Haus in den Bergen als Unterkunft
dienen.
Bischkek ist in der Regel gut mit dem Auto oder dem
Bus erreichbar. Die ärztliche und medizinische
Versor-
gung in der Hauptstadt ist gut.
In guter Erreichbarkeit der Projekte befinden sich
Ein-
kaufsmöglichkeiten, Erste Hilfestationen,
Apotheken, Schulen etc..
In der ländlichen, reizarmen Umgebung ohne Kennt-
nisse von Sprache, Schrift und Kultur ist der Jugendli-che
vollkommen auf den Betreuer angewiesen.
Das Wertesystem in Kirgistan erscheint für unsere
Verhältnisse nicht mehr zeitgemäß,
erweist sich je-
doch für die Jugendlichen als
einfach zu erkennen und sehr hilfreich.
Die natürliche Achtung der Jüngeren gegenüber
den Älteren, die Respektierung der elterlichen
Autorität, der Zusammenhalt innerhalb der Familie,
das klar stru-
kturierte und überschaubare soziale
Umfeld sowie die Menschen- und Gastfreundschaftlichkeit,
sind für viele Jugendliche gänzlich neue
Erfahrungen.
Jeder hat seinen Platz und seine Aufgaben innerhalb
der Familie, ohne Ausnahme, vom ersten Tag an wer-
den
die Jugendlichen an den Arbeiten in Haus und Hof beteiligt,
jeder trägt selbstverständlich und im Rahmen
seiner Möglichkeiten seinen Teil zur Alltagsbewältigung
und dem gemeinsamen Leben bei.
Die natürlichen Bedingungen im Land eröffnen
für die Jugendlichen zu jeder Jahreszeit viele
Möglichkeiten, neue Grenzerfahrungen zu erleben,
sowohl beim Wan-
dern, alpinen Klettern, Skifahren etc.
wird ein neues Körper- und Lebensgefühl vermittelt.
Kirgistan hat sich als ideales Projektland seit Jahren
bewährt, um Jugendliche aus ihrer gewohnten Umge-
bung
und den festgefahrenen Lebensumständen her-
aus
zu bekommen, um in großer räumlicher Entfernung
und mit ausreichend mentalem Abstand zu ihrem vor-
herigen
Leben einen erfolgreichen Neustart zu begin-
nen und
um wichtige pädagogische Ziele zu erreichen.
- Identitätsfindung
- Übernahme von Eigenverantwortung
- Emotionale
Stabilität entwickeln
- Körpergefühl
entwickeln
- Selbstwertgefühl entwickeln
- Erlernen lebenspraktischer
Fähigkeiten
- Förderung von Ausdauer und Motivation
- Heranführen
an Arbeit
- sinnvolle Freizeitgestaltung
- Bewältigung des
Alltags
- Gruppenfähigkeit fördern
- Problemlösungsstrategien
entwickeln
- Rückführung nach Deutschland
in die
- Herkunftsfamilie fortführende
Jugendhilfe oder Verselbständigung
- u.v.m.
Die Betreuer
Die Projektmitarbeiter sind in der Regel pädagogische
Fachkräfte, die über Erfahrungen mit dortigen
Pro-
blemkindern und Jugendlichen verfügen. Sie
haben eine Ausbildung zum Lehrer, der die Erzieher-Qualifika-
tion
einschließt und besitzen mehrjährige Berufserfah-
rung,
viele auch in der Arbeit mit deutschen Jugendli-
chen.
Zusätzlich absolviert ein Teil der Betreuer den
Aufbau-
studiengang der praktischen Psychologie als
fachliche Weiterqualifikation.
Kenntnisse der deutschen Sprache sind in unterschie-
dlicher
Ausprägung vorhanden. Es stehen bei Bedarf ausgebildete
Dolmetscher zur Verfügung.
Alle Mitarbeiter besitzen eine konzeptspezifische Qualifikation
wie:
- Bergführer,
- Trainer für verschiedene Sportarten wie Basketball,
Schwimmen, Tauchen, Tennis, etc.
- Handwerkliche und
landwirtschaftliche Kenntnisse
Die Betreuer zeichnen sich aus durch überdurchschnit-
tliche
Belastbarkeit, ein hohes Maß an Authentizität,
Flexibilität und Kreativität.
Der Projektverlauf
Die Aufenthaltsdauer im Projektland beträgt mindes-
tens
6 Monate und sollte 9 bis max. 12 Monate nicht überschreiten.
Während 5 jähriger Erfahrungen stellte sich
immer wie-
der heraus, dass die Jugendlichen, vollkommen
unab-
hängig von ihrer Problemsituation, sich sehr
schnell, nach zwei bis drei Monaten, unter den dortigen
Be-
dingungen stabilisieren. Sie erlernen die Sprache,
ma-chen verschiedene Praktika in Betrieben und integrie-
ren
sich in die Gastfamilie und in die Gesellschaft. Doch
ihr Status als Ausländer, ihre verhältnismäßig
hohen finanziellen Mittel, auch wenn nur ein Teil des
Taschengeldes ausgezahlt wird, verleihen ihnen einen
Sonderstatus. Daraus resultierte oft der Wunsch den
Aufenthalt in Kirgistan zu verlängern, zum Teil
mit sehr kreativen Mitteln zu erzwingen. Diesem Wunsch
wurde auch vielfach von Seiten der Jugendämter
und Erzie-
hungsberechtigten stattgegeben, denn die
Jugendli-
chen „funktionieren“ dort
und die Angst vor der Rück-
kehr ist oft bei allen
Beteiligten groß.
Umso schwerer gestaltet sich die Wiedereingliederung
in Deutschland. Aus diesem Grund beschränken wir
den Aufenthalt dort mit einer klaren Zielsetzung in
ein-
em vorgegebenen Zeitfenster.
Die erste Projektphase beinhaltet einen Aufenthalt
in den Bergen von bis zu 20 Tagen.
Während dieser Zeit werden alpine Bergwanderungen,
Klettertouren, Skilaufen, etc., immer orientiert an
der individuellen Leistungsfähigkeit des Jugendlichen,
durchgeführt. Durch gemeinsame Aktivitäten
in men-
schenleerer Natur und die Abhängigkeit
vom Betreuer soll eine tragfähige Beziehung aufgebaut
werden. Die fehlenden Orts-, Landes- und Sprachkenntnisse
ma-
chen ein Weglaufen aus der Situation unmöglich.
Die alltäglichen Notwendigkeiten wie Feuerholz
sammeln, Schlafplätze herrichten, Essen zubereiten,
Kleidung waschen und reparieren bestimmen, einen großen
Teil des Tagesablaufes.
Die zweite Projektphase hat die Integration in die
Fa-
milie und in das Dorf zum Ziel. Gemeinschaftliches
Le-
ben auf dem Lande, wo die Menschen ihre Nahrung
durch gemeinsames Handeln erarbeiten (Viehzucht, Gartenbau
etc.) und durch eigenes Tun ihre wirt-
schaftliche Lage
verbessern und sichern, übt eine Mo-
tivation auf
die Jugendlichen aus, es ihnen gleich zu tun oder sie
noch zu übertreffen.
Bisher nicht wahrgenommene Fähigkeiten wie hand-
werkliches
Geschick, Kreativität, Belastbarkeit und Ausdauer
sowie soziale Kompetenzen werden geför-
dert.
Die damit einhergehende Selbsteinschätzung und
Mo-
tivation werden genutzt, um erreichbare Fernziele
wie Berufsausbildung oder Schulabschluss zu formulieren
und entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Das kann
ein Praktikum z.B. im Handwerksbetrieb sein oder auch
die Aufarbeitung schulischer Defizite.
In der dritten Projektphase werden mit dem Jugendli-
chen,
resultierend aus Phase 2, die Rückkehr und die
weitere Planung in Deutschland erarbeitet.
Sehr sensibel wird hier der richtige Zeitpunkt für
diese Phase bestimmt. Es gilt den erlangten Motivations-
schub
in vollem Umfang mitzunehmen. Sind die Jugen-dlichen
zu lange in Kirgistan, lässt die Motivation nach,
sich auf Veränderungen einzulassen. Das Leben
in Kir-
gistan funktioniert und Deutschland ist weit
und be-
reitet Angst.
Neben der geeigneten Betreuungsform, die ähnlich
wie Kirgistan von Herz, Verstand und dann der Pädagogik
geprägt sein sollte, stehen hier die berufliche
sowie die schulische Planung im Vordergrund.
Der Träger bietet unterschiedliche Formen der
weiter-
en Betreuung an oder sucht gegebenenfalls andere
geeignete bedarfsorientierte Settings.
Während langjähriger Erfahrungen mit Projekten
in Kir-
gistan wurde deutlich, dass durch Mentalität,
Kultur, die individuelle Menschenfreundlichkeit und
Fachlich-
keit der Betreuer alle Jugendlichen dort eine
emotiona-
le Stabilität erreichen, die es ihnen
ermöglicht, in die-
sem Land ein normales, unauffälliges
Leben zu führen.
Nicht erreicht werden kann eine Aufarbeitung der be-
lastenden
Biographie, da die Probleme weit weg sind, in Deutschland.
Aus diesem Grund sollte die Aufenthaltsdauer in der
Regel nicht zu lange sein. Unsere Projekte dienen der
emotionalen Stabilisierung und sollen die Motivation
fördern, sich in Deutschland den Problemen zu
stellen und sie zu bearbeiten mit dem Ziel einer Integration
als nützliches Mitglied der Gesellschaft.
Die Projektkoordination
Die Projekte werden von dem Koordinator planmäßig
alle 3 Monate besucht. Bei Krisensituationen werden
zur Unterstützung der Betreuer auch außerplanmäßige
Projektbesuche durchgeführt.
Der Koordinator ist verantwortlich für Umsetzung
der Hilfe- und Erziehungspläne, er steht den Betreuern
als pädagogischer Berater zur Verfügung.
Zu seinen weiteren Aufgaben gehören auch die Wei-
terbildung
der Betreuer und die Durchführung von Teamgesprächen.
Ein regelmäßiger Austausch außerhalb
der Projektbe-
suche zwischen Koordinator und Betreuer
ist gegeben.
Der Koordinator arbeitet eng mit dem zuständigen
Ju-
gendamt und den Erziehungsberechtigten zusammen.
Alle Informationen aus den Projekten sowie die Ent-
wicklungsberichte
werden zeitnah an alle Beteiligten weitergeleitet.
Qualitätsstandards
Qualitätsentwicklung ist ein fortlaufender Prozess,
der über die Hilfeplanung hinaus in das alltägliche
Handeln herein reicht. Qualitätsentwicklung ist
fester Bestand-
teil unserer Arbeit, in dem die pädagogische
Arbeit stets in der Überprüfung steht.
Daraus ergeben sich die folgenden Qualitätsstandards:
- Koordination, Beratung und Kontrolle der Projekte
durch die Koordinatoren
- Projektbesuche der Koordinatoren mindestens alle
3 Monate
- Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden
in Inn- und Ausland (Deutsche Botschaft, Kirgisische
Botschaft Landesjugendämter,
Jugendämter, etc.)
- Dokumentation der Projektverläufe auf Video
bei den Projektbesuchen
- Intensiver Austausch zwischen
Betreuer und Koordinator durch wöchentliche
Telefonate und
E-mail, monatliche Entwicklungsberichte
- 24-stündige
Rufbereitschaft der Koordination
- Fortbildung
und Supervision der Betreuer
- Fortschreibung
der Hilfeplanung vor Ort
- Begleitende
Elternarbeit, bei Bedarf durch
externe Familienberater
- Partizipation der Jugendlichen
am
gesamten Hilfeprozess
- Erziehungsplanung
- Führen eines Betreuungstagebuches,
Entwicklungsberichte
Quo Vadis unterzeichnet die Selbstverpflichtungser-
klärung
des Landesjugendamtes Rheinland zur Quali-
tätssicherung,
Abweichungen werden gegebenenfalls benannt und begründet.
Aufnahmeverfahren
Die Dauer des Aufnahmeverfahrens richtet sich nach
Verfügbarkeit von Flügen und dauert in der
Regel 5-7 Werktage. Sofortaufnahmen im Rahmen einer
Krise-
nintervention sind möglich. Die Aufnahmen
verlaufen folgendermaßen:
- Studium der vorliegenden Berichte,
Daten, Diagnosen, etc,
- Vorauswahl einer Betreuungsstelle
- Informationsgespräche
mit dem
zuständigen Jugendamt, den Sorgeberechtigten
und dem Jugendlichen
- Motivation des Jugendlichen durch
mehrer Besuche
Gemeinsame Entscheidung und Hilfeplanung
- Beschaffung
von Visa und Flugticket,
gegebenenfalls Kleidung und Ausrüstung
- Begleiteter Flug nach Kirgistan und Übergabe
an den Betreuer
Formale Vorraussetzungen
- Hilfeplanprotokoll
- Freiwillige Teilnahme am Projekt
- Ärztliches
Gesundheitszeugnis
- Überprüfung von Impfstatus,
Impfpass
- Reisepass mit einer Gültigkeit von
mindestens 6 Monaten
- Vollmacht zur Übertragung
der elterlichen Sorge
- Befreiung von der Schulpflicht
- Schriftliche Kostenzusage
des Kostenträgers
Kosten
Die Kosten sind verhandelbar.
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