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Individualpädagogische Projektstelle Ungarn
 
  Individualpädagogische Projektstelle Ungarn - QuoVadis - Jugendhilfe Projekt
Projektstandort/Lage:

Die Betreuungsstelle liegt ca. 100 km südöstlich von Budapest. Die nächst grössere Stadt, 30 km entfernt, heißt Kecskemét und wurde in neuester Zeit „berühmt“ durch die Ansiedlung einer Produktionsstätte von Mercedes. In Kecskemét leben etwa 110.000 Menschen.

In einer ländlichen, einsamen Waldgegend (reizarm), der Balaszpuszta, befindet sich die Betreuungsstelle. Es handelt sich um ein ehemaliges Einzelgehöft (Tanya), umgeben von ca.
2.000 m² Wald- und Wiesenfläche, welches in den letzten Jahren mit viel Eigenleistung wieder bewohnbar gemacht wurde. Es findet hier ein „einfaches“ Leben statt. Die bäuerliche Landbevölkerung lebt teilweise in großer Armut, in Einzelfällen noch ohne Strom. Diese „Realitäten“ hautnah zu erleben kann „heilsam“ sein.

Ein ca. 200 m² großer Kräuter- und Gemüsegarten (Bio) ermöglicht eine gute Eigenversorgung. Resterträge werden verkauft. Basis-Grundnahrungsmittel werden meist per Fahrrad im 3 km entfernten Dorflädchen oder wöchentlich auf dem Dorfmarkt in 6 km Entfer-nung eingekauft. Sonstige Einkäufe werden in der Regel 1x monatlich mit dem Auto in Kecskemét erledigt.

Es bestehen gute Kontakte zu ungarischen, teilweise Deutsch sprechenden Nachbarn und Freunden. Hier können Jugendliche von Fachkräften den Umgang mit Pferden erlernen und reiten.
Die Betreuerin kann sich im Alltag in der Landessprache verständigen.

Während im Frühjahr, Sommer und im Herbst die Arbeiten im großen Kräuter- und Gemüsegarten und auf dem Gelände vorrangig sind, wird in den Wintermonaten die kleine Nähstube wiederbelebt. Dort entstehen, neben alltäglich anfallenden Näh- u. Reparaturarbeiten, nützliche Dinge für den Eigenverbrauch oder zum Verkauf. Zum Alltag gehört auch die Versorgung der Hunde, Katzen und Hühner.

In einer typischen 1 zu 1 Konstellation lebt der Jugendliche ge-
meinsam mit der Betreuerin im Haus und bewohnt ein neu ausge-bautes Dachzimmer im oberen Stock der Tanya (Bauernhaus). Dort steht ihm auch ein einfaches, kleines Bad (Toilette, Waschbecken und Dusche) zur Verfügung.
Die Betreuerin ist 56 Jahre alt, Deutsche und Erzieherin mit mehrjähriger Erfahrung in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Krisen.

Gesetzliche Grundlage und Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit

Bei dem Projekt handelt es sich um ein besonders enges und familienähnliches Betreuungssetting. Auf der Grundlage der §§27, Abs. 1 werden Hilfen gemäß §§ 34 , 35, 35 a und 41 SGB VIII möglich.

Die Kinder und Jugendlichen werden in dem vorhandenen Betreuungssetting ein anfangs völlig neues Umfeld erleben, weitab von Handy- und Internetwelten und von gewohnten Gruppierungen. Die Jugendlichen sollen in diesem reizarmen Klima in erster Linie sich selbst mit all ihren Stärken und Schwächen wiederentdecken. Sie sollen sich selbst akzeptieren und nach und nach eine innere Sicherheit aufbauen. Fehler machen ist erwünscht, daraus zu lernen ist Ziel. In diesem Prozess sind einerseits Beziehungsarbeit, andererseits ein konsequentes Handeln und Grenzen setzen von großer Wichtigkeit.

Es ist das Bestreben der Betreuerin, den Jugendlichen in seinem ureigensten Wesen zu erkennen, sich auf ihn einzulassen und ihn zu fördern.

Es soll idealer Weise gelingen, neue Verhaltens- und Handlungs-muster zu finden und gute Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln.
Zusammenhalt, sich auf einander verlassen können, Verantwortung übernehmen, aktiv den Alltag gestalten - dies alles wird in diesem naturnahen und naturverbundenen Setting an Bedeutung gewinnen. Durch eigene Lernprozesse sollen Jugendliche an ein neues, sie tragendes Wertesystem herangeführt werden. Dieses Wertesystem beinhaltet Toleranz gegenüber anderen Menschen, Kulturen, Lebensformen sowie Religionen. Der Jugendliche findet hier im Rahmen einer intensiven Beziehungsarbeit Ruhe, Geborgenheit, Besinnung etc.. Es wird Wert auf gemeinsames Essen und Kochen gelegt.

Erfahrungsgemäß haben die meisten Jugendlichen eine Affinität zu Tieren. Besonders Hunde wirken als „Türöffner“ und „Eisbrecher“, weil über den Kontakt zum Tier die Wahrnehmung eigener Gefühle durch die direkte, aber wertfreiere Aktion des Tieres gefördert wird. Tiere reagieren direkt auf emotionale Stimmungen. Ihre Reaktion kann leichter angenommen werden, ohne sich als Person abgewertet zu fühlen. Die Nähe zu einem Tier erlaubt ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit, was Kinder und Jugendliche im Kontakt zu anderen Menschen häufig nicht zulassen können.
Vorrausetzung für das Gelingen eines solchen Projektes ist u. a. die Partizipation also, Mitnahme des Jugendlichen. Er soll – soweit ihm dies in seiner aktuellen Situation überhaupt möglich ist – den Schritt bewusst und freiwillig tun.

Bei den untergebrachten Jugendlichen handelt es sich meist um Schüler mit erheblichen schulischen Problemen, Schulverweigerer, Schulschwänzer. Ein Ziel kann sein, den Jugendlichen wieder langsam an schulische Dinge heranzuführen (Notunterricht durch die Betreuerin). Dies kann auch mit der bisherigen Schule bzw. Lehrkraft durchgeführt werden. Eine Individualpädagogische Beschulung mit Hilfe einer dort ansässigen Lehrkraft (deutschsprachig) ist möglich.

Bei Auslandsmaßnahmen werden vorrangig aber Fernschulen angeboten, z.B. das Hamburger Fernlehrinstitut, die Flex Schule in Breisgau u.a. . Hier sind die nötigen technischen Mittel vorhanden und unterschiedliche Konstrukte denk- und durchführbar.

Setting Einzelbetreuung in der typischen 1 zu 1 Form

Das genannte Angebot eignet sich für Jungen und Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren:

  • die aus eigenem Empfinden eine „Auszeit“ benötigen, für die dringend eine deutliche räumliche Distanz zum Herkunftsmilieu und/oder ihrer Peergroup notwendig ist
  • für die diese Maßnahme „sanfter Einstieg“ in eine weiterführende Maßnahme in Deutschland sein soll
  • die gerade erst „auffällig“ geworden sind, als Alternative zu einer Bestrafung nach dem JGG.
  • Evtl. als Alternative zu einer geschlossenen Unterbringung

In der Regel ist die Zeit des Aufenthaltes auf 6 – 12 Monate be-schränkt. Eine Verlängerung ist grundsätzlich möglich. Eine längere Verweildauer wird deshalb nicht angestrebt, weil die Jugendlichen eine Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen brauchen und es sich in diesem speziellen Setting um eine eher isolierte Situation handelt.

Gemeinsam mit dem Jugendamt und den Sorgeberechtigten wird im Rahmen des Hilfeplanes nach einer adäquaten Anschlussmaßnahme gesucht.

Ausschlusskriterien

Die Maßnahme eignet sich nicht für Medikamenten- oder Drogenabhängige, da eine hierfür notwendige konstante ärztliche Betreuung nicht gewährleistet ist. Eine therapeutische Begleitung durch eine deutsche Psychologin ist dagegen möglich.
Jugendliche mit Tierhaarallergie oder Tierquäler sind für dieses Betreuungsumfeld nicht geeignet.


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