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Individualpädagogisches Projekt Uruguay
 
  Individualpädagogisches Projekt Uruguay - QuoVadis - Jugendhilfe Projekt
Projektland

Uruguay liegt an der Atlantikküste Südamerikas zwischen Brasilien und Argentinien und ist das zweitkleinste Land des Kontinents.

Mit rund 177.000 qkm Fläche ist es so groß wie Österreich und Ungarn zusammen. Die Einwohnerzahl beträgt ca. 3,5 Millionen, wobei 1,5 Mio. in der Hauptstadt Montevideo leben. Die Bevölkerungsdichte beträgt 19,9 Einwohner pro km². Die Bevölkerung setzt sich aus den Nachkommen europäischer Einwanderer zusammen. Die europäischen Einwanderer kamen aus Spanien und zu einem großen Teil auch aus Italien, aber auch aus deutschsprachigen Ländern. Diese europäischen Einwanderer bilden zusammen eine Mehrheit von 88 %. Nur noch 8 % der Bevölkerung sind Mestizen und 4 % Nachkommen afrikanischer Sklaven.
Die Bevölkerung zeichnet sich durch Gastfreundschaft auf jeden Neuankömmling aus. Die uruguayische Gelassenheit ist sprichwörtlich. Der einfache und schlichte Lebensstil sowie der Erhalt familiärer Werte, vorrangig auf dem Land, bieten eine gute Grundlage und Orientierung für die Jugendlichen.
Die Amtssprache ist spanisch. Uruguay ist ein Sozialstaat und gehört zu den sichersten Ländern Südamerikas. Politisch und wirtschaftlich ist das Land stabil und wird auch gerne die Schweiz Südamerikas genannt. Die meist vertretene Religion ist römisch-katholisch, etwa 74 %. Das Landschaftsbild ist im Süden des Landes nahezu flach und von endlosen Weiden, auf denen vorwiegend Viehzucht betrieben wird, geprägt.
Das Klima ist im Norden subtropisch und im Süden gemäßigt. Während die Sommertemperaturen durchaus bis 40 Grad warm werden können, ist es im Winter bestenfalls –2 Grad. Die Währung ist der Uruguayische Peso.

Projektstandort

Der Projektstandort befindet sich etwa 30 km nordwestlich von Montevideo in der Provinz Canalones, etwa 4 km von der Kleinstadt Pando entfernt. Hier versorgt man sich mit allen notwendigen Dingen.
In dem flachen Grasland mit vielen Pferden einzelner Gehöfte, einer Busanbindung, einem Flusslauf stehen auf einem Areal von mehreren ha drei Gebäude, die man als eine kleine Pferderanch bezeichnen könnte.
4 Erwachsene und drei Jugendliche bewohnen das Anwesen mit drei Pferden, Hunden und Katzen. Jeder verfügt hier über einen eigenen Bereich, in den er sich zurückziehen kann. Eine gemeinschaftliche Küche, ein Tagesraum, eine große Werkhalle, die auch als Sportstätte dient, und viel Natur wird von allen genutzt. In der unmittelbaren Nähe (etwa in 300 m) befindet sich das große sehr professionell geführte Gestüt Harras El Cortija.
Mit diesem Gestüt pflegt man einen partnerschaftlichen und verständnisvollen Austausch. Hier haben die Jugendlichen auch einen sehr schnellen und positiven Zugang zu Pferden, erhalten Reitstunden, helfen manchmal gerne und können sich aktiv einbringen.
Ein größerer Landschaftsgartenbaubetrieb einige hundert Meter weiter hat einen engeren Kontakt zu der Betreuungsstelle und beschäftigt nach Bedarf stundenweise Jugendliche, falls diese sich hierfür begeistern und sich einige Peso verdienen wollen.

Die Natur, die Pflege und Versorgung der Tiere, der eigene Kräutergarten, eine ausgewogene Ernährung, eine Freizeit, die sich häufig in der Natur abspielt, bestimmen neben Schule und pädagogischer Intention das Leben der Jugendlichen in der Betreuungsstelle.

Gesetzliche Grundlage und Zielgruppe

a) Gesetzliche Grundlage

Das individual- und erlebnispädagogische Projekt in Uruguay bildet eine Ausnahme im Regelhilfesystem der Jugendhilfe. Es wird durchgeführt, um besonderen Krisensituationen, in denen sich der junge Mensch befindet, zu begegnen.

Obwohl es sich um ein sehr enges und familienähnliches Setting handelt, wird die Maßnahme als eine stationäre Erziehungshilfe auf der Grundlage der §§ 27 Abs. 1, 34 SGB VIII oder als intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung gemäß §§ 27 Abs. 1, 35 SGB VIII durchgeführt. Ebenfalls ist die Gewährung einer Hilfe zur Erziehung in Uruguay auf der Grundlage der §§ 35 a und 41 SGB VIII möglich.
Diese pädagogisch veranlasste Hilfe verfolgt die in dem Hilfeplan nach § 36 SGB VIII definierten sozialpädagogischen Ziele. Eine enge Zusammenarbeit in der Gesamtverantwortung für den Hilfeprozess mit dem jeweiligen Jugendamt und dem Sorgeberechtigten ist unerlässlich. Ein gut funktionierender Informationsfluss zwischen allen am Hilfeprozess Beteiligten wird sichergestellt. Eine unmittelbare Information und Dokumentation bei unvorhergesehenen Zwischenfällen ist unerlässlich.

Bei Notfällen ist eine 24-stündige Rufbereitschaft bzw. Erreichbarkeit sichergestellt.

b) Zielgruppe

Unser Angebot richtet sich an verhaltensauffällige Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren; in Einzelfällen auch an junge Volljährige. Die Entscheidung zur Aufnahme orientiert sich an der individuellen Situation der Jugendlichen, die

  • sich meist in einer schwierigen familiären Situation befinden
  • unter Aufmerksamkeitsdefizit und/oder Hyperaktivität ADHS leiden
  • mangelnde soziale Kompetenzen zeigen
  • Missbrauch und Verwahrlosung erlebt haben
  • hohe Gewaltbereitschaft aufweisen
  • mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind (evtl. anstehende Haftstrafen) u.v.m.

Ursächlich für dieses Angebot ist die Erfahrung, dass Problemlagen einzelner Jugendliche nur in einem sehr distanzierten Umfeld, entfernt von der derzeitigen Situation, erfasst und behandelt werden können.

Die Möglichkeiten in einer reizarmen Umgebung zu sein, weit weg von der Peergroup oder des belastenden Elternhauses einen Neuanfang zu starten, hier viele neue Erlebnisse und daraus resultierende Erfahrungen zu machen, ist ein zentrales Element unserer Pädagogik.

Das Projekt wird auch als eine Alternative zum Strafvollzug oder zur geschlossenen Unterbringung angeboten und durchgeführt.

Zielsetzung der individual-pädagogischen Arbeit

Icamani bedeutet in der indianischen Lakota-Sprache „der neben einem geht“, demnach ein Begleiter, der sich rund um die Uhr des Jugendlichen annimmt.

Nach diesem Prinzip möchte das Projekt Jugendliche bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung begleiten und ihnen ermöglichen,
fernab von ihrer bislang belasteten Lebenssituation neue Perspektiven, Handlungs- und Konfliktstrategien zu entwickeln.

Die Adoleszenz ist eine sehr sensible Lebensphase, in der die Jugendlichen oft ihre Grenzerfahrungen suchen, häufig an den von außen gesetzten Anforderungen scheitern und die Haltung der totalen Verweigerung annehmen.

Icamani bietet einen Rahmen, in dem die Jugendlichen zurück zu elementaren Überlebensstrategien geführt werden und sich neu ausprobieren können. Individual- und Erlebnispädagogik sowie
native indianische Pädagogik bilden das Grundgerüst der pädagogischen Betreuung. Parallel zu den alltäglichen Aufgaben einer Selbstversorgerranch durchlaufen die Jugendlichen verschiedene erlebnis-pädagogische Module, indianische Initiationsriten, die den Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter erleichtern und eine identitätsbildende und gesunde Selbstwahrnehmung unterstützen. Das erlebnis-pädagogische Angebotsmodul Therapeutisches Reiten wird als Methode insbesondere an hyperaktive und impulssteuerungsgestörte Kinder und Jugendliche gerichtet.
Ein einfacher strukturierter Alltag bietet Orientierung, Schutz und Halt. Die Kinder und Jugendlichen lernen in überschaubaren geregelten Einheiten verantwortungsvoll mit Aufgaben des Lebensalltags umzugehen.

Soziales Verhalten wird durch häusliche Pflichten, Pflege und Versorgung der Tiere und das enge Miteinander erlernt.
Der Betreuer ist denselben Widrigkeiten und Einflüssen unterlegen wie der Jugendliche und muss sich damit arrangieren und auseinandersetzen. Somit dient er als Vorbild, wie mit Schwierigkeiten umzugehen ist. Das gemeinsame Erleben schafft Erfahrungswerte, auf die immer wieder zurückgegriffen werden kann.

Relativ früh wird die Motivation der Jugendlichen bezüglich einer optionalen Beschulung durch eine Individualschule überprüft (ILS Hamburg, Studiengemeinschaft Darmstadt). Die Schularbeit kann je nach Bedarf einen größeren oder weniger großen Zeitraum im Tagesplan erhalten, ist aber eine Pflichtaufgabe.

Freiwilligkeit, Mitbestimmung und Mitgestaltung der Jugendlichen ist genau wie die Beziehungsarbeit Kern des Handelns in der Betreuungsstelle. Diese Dinge finden sich wieder in der methodischen Umsetzung und den alltagsunterstützenden Förderungsangeboten.

Eine besondere Gestaltung und Unterstützung bei den Übergängen in die Betreuungsstelle, vorrangig aber auch bei der Rückführung nach Deutschland haben einen hohen Stellenwert und werden rechtzeitig mit den Jugendlichen, dem Sorgeberechtigten und dem Jugendamt vorbereitet. Meistens mündet die Maßnahme in eine Folgebetreuungsstelle im Inland.

Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit ist persönliche Begabung und Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen zu entdecken und diese auszubauen sowie Defizite auszugleichen.

Umsetzung und alltagsunterstützende Förderungsangebote

In einer kleinen Pferderanch lernen Kinder und Jugendliche in überschaubaren geregelten Einheiten, verantwortungsvoll mit Aufgaben des Lebensalltags umzugehen. Balancierend zwischen Distanz und Nähe werden Aushandlungsprozesse angeboten in den Bereichen Hauswirtschaft, Pflege von Kleidung und Ausrüstung, Umgang mit Geld, Einrichtung und Pflege von Wohnraum. Im Bereich Förderung von Gesundheit und Gesundheitsfürsorge steht hier die richtige Ernährung im Vordergrund. Eine erfahrene Wirtschafterin, die häufig auch die mütterliche Rolle übernehmen muss, sorgt für ausgewogene Ernährung, was bei Übergewichtigkeit auch rasch für eine Gewichtsreduktion sorgt. Eine Sicherstellung medizinischer Versorgung und notwendiger Therapien ist selbstverständlich. Um pädagogische Prozesse abzusichern steht eine erfahrene deutschsprechende Psychologin und Psychotherapeutin zur Verfügung, die zweimal die Woche die Betreuungsstelle besucht.

Regelmäßige Mahlzeiten, gemeinsame Gestaltung von Wohnküche und Sanitärbereich, gemeinsame Gestaltung von Festen ist genauso selbstverständlich für die Unterstützung des Schulbesuchs, wie Bereitstellung von Medien und Beschäftigungsmaterial, kulturelle Angebote, Sport etc.
Eine Besonderheit der Betreuungsstelle in Uruguay ist der verstärkte Blickwinkel unseres Naturwildnis- und Erlebnispädagogen auf den Umgang mit der Natur, angelehnt auch an die indianischen Riten. Die Initiationsriten, die Visionssuche, ein Erlebnis in der Schwitzhütte sind in der westlichen Welt kaum noch praktizierte Rituale, die dem Jugendlichen einen Lebensabschnittswechsel ermöglichen, der auch biologisch spürbar ist. Das Alte hinter sich lassen und sich Neuem hinzuwenden, Abnabelung, Selbstfindung, sexuelle Orientierung u.v.m. werden hier nach Absprache mit den Jugendlichen ritualisiert, aber auch kontrolliert angewendet ohne dogmatischen Hintergrund.

Der Hintergrund ist eine Bestandsaufnahme des bisherigen Lebens, eine Neuorientierung, der Übergang in einen reiferen Lebensabschnitt. Die Jugendlichen machen meist begeistert nach dem Freiwilligkeitsprinzip mit.

Betreuer vor Ort, Personal und Referenzen

Der Projektbetreuer absolvierte zunächst in Wuppertal eine handwerkliche Ausbildung, um sich später mit einer Reihe weiterer Zusatzausbildungen zu qualifizieren. Er absolvierte eine Ausbildung zum psychologischen Berater, er ist Erlebnispädagoge mit einer zusätzlichen Ausbildung für eine intensive Einzelbetreuung. Seit 2000 ist er tätig für verschiedene Jugendhilfeeinrichtungen im Bereich der Individual- und Erlebnispädagogik. Seit 2009 leitet er unser Projekt in Uruguay.

Er ist eine Vertrauens- und Autoritätsperson für die dort untergebrachten Jugendlichen. Eine konsequente Vorgehensweise mit hoher Frustrationstoleranz, dem nötigen Einfühlungsvermögen und Verständnis für die jeweilige Lebenssituation machen ihn zu einem wertvollen Mitarbeiter. Seine ebenfalls dort lebende Lebenspartnerin ist neben ihrem Beruf als Kamerafrau und Fotografin sehr aktiv im sportlichen Bereich, hatte bereits Erfahrung in der Jugendarbeit. Somit deckt sie den sportlichen und Freizeitbereich mit ab.

Zum Betreuerstamm zählt auch eine Sozialpädagogin, die bereits länger in Uruguay lebt und hier vorrangig für die schulischen Belange der Jugendlichen in den Vormittagsstunden tätig ist.

Eine Österreicherin und Wirtschafterin vor Ort ist viel mehr als eine gute Köchin, die den Jugendlichen eine ausgewogene Ernährung präsentiert; sie ist ebenso Ansprechpartnerin und Ersatzmutter.
Bislang wurde das Team komplettiert durch Berufspraktikanten aus Deutschland, die dort ein halbjähriges Praktikum absolvieren. Die Koordination der Betreuungsstelle wird vom Träger aus regelmäßig durch vierteljährliche Besuche eines erfahrenen Diplom-Sozialarbeiters und eine ständige Präsenz per Telefon, E-Mail usw. gewährleistet. Der Koordinator ist die Schaltstelle zwischen Träger, Jugendamt, sorgeberechtigten Eltern und dem Kind/Jugendlichen.

Zeitlicher Rahmen und Ausschlusskriterien

Allen am Projekt beteiligten Fachleuten ist klar, dass Veränderungsprozesse und eine Neuorientierung der stark verhaltensauffälligen Jugendlichen Zeit braucht. Selbst bei einer Beschränkung auf das Anstoßen positiver Veränderungsprozesse und dem Gesamtaufwand, der Entfernung etc. muss von einem Mindestzeitraum von einem Jahr ausgegangen werden. Der Verbleib der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen in der Betreuungsstelle über diesen Zeitraum hinaus ist möglich.

Ausschlusskriterien sind:

  • Akute Abhängigkeit von harten Drogen
  • Brandstifter
  • Tierquäler
  • Geistig- und schwerbehinderte Jugendliche

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